Websecurity
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Betrugs­ma­schen im Inter­net: Hil­fe!

Unser Blog­bei­trag über die kopier­te Web­sei­te des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums NRW hat offen­bar hohe Wel­len geschla­gen. Nach­dem die Betrugs­ma­sche ver­gan­ge­ne Woche an die Öffent­lich­keit gelangt war, stand die Poli­tik unter Zug­zwang. Das LKA wur­de mobi­li­siert, Web­sei­ten wur­den abge­schal­tet, die Sofort­zah­lun­gen der wur­den aus­ge­setzt. Rund 20.000 Anträ­ge sind oder waren von dem Aus­zah­lungs­stop betrof­fen. Die Betrü­ger haben ihre Masche der­weil ange­passt und noch genaue­re Kopien offi­zi­el­ler Web­sei­ten erstellt. Der trau­ri­ge Höhe­punkt die­ser Ent­wick­lung: Eine gefälsch­te Web­sei­te des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums, bei der abso­lut alles kopiert wur­de – inklu­si­ve dem offi­zi­el­len Warn­hin­weis, nicht auf Betrü­ger her­ein­zu­fal­len.

Die­se neue Sach­la­ge hat vie­len Inter­net­nut­zern eine Art von Betrug bewusst gemacht, die in die­ser oder jener Form schon seit lan­ger Zeit exis­tiert. Oft wer­den dabei etwa “Ver­tip­per-Domains” regis­triert. Die Domain ist also der kopier­ten Sei­te sehr ähn­lich, ent­hält aber häu­fig gemach­te Tipp­feh­ler. Besu­cher einer Web­sei­te mer­ken das oft nicht, immer­hin sind sie ja ver­meint­lich auf ihrem Ziel gelan­det. Oft reicht es den Betrü­gern aber auch, eine sehr ähn­li­che Domain zu regis­trie­ren. Dort etwa wur­den in der URL die Wor­te “sofort­hil­fe-coro­na” der offi­zi­el­len Sei­te ver­tauscht in “coro­na-sofort­hil­fe”. In die­sem spe­zi­el­len Fall erken­nen Sie die ech­te Adres­se aller­dings auch an der Domain-Endung .nrw.de – die­se gehört offi­zi­ell dem Land NRW und steht für Geschäf­te­ma­cher und nor­ma­le Web­sei­ten nicht zur Ver­fü­gung.

Betrugs­ma­schen: Die Gefahr von Iden­ti­täts­dieb­stahl

Sinn und Zweck sol­cher Betrugs­ma­schen sind je nach Fall unter­schied­lich. Die Coro­na-Sofort­hil­fe etwa ver­langt nach einem gro­ßen Satz per­sön­li­cher Daten. Win­di­ge Geschäf­te­ma­cher kön­nen die­se etwa für Iden­ti­täts­dieb­stahl miss­brau­chen. Der Dieb­stahl etwa­iger Sofort­hil­fen ist da fast noch das gerings­te Übel, denn eine voll­stän­dig kopier­te Iden­ti­tät kann lang­jäh­ri­ge Schä­den nach sich zie­hen. Betrü­ger kön­nen dann zum Bei­spiel Zah­lun­gen von Ihrem Kon­to aus­lö­sen, Last­schrift­ver­fah­ren ein­lei­ten oder Web­shops auf­bau­en. So ist es in den letz­ten Jah­ren immer wie­der mal vor­ge­kom­men, dass Unschul­di­gen die Iden­ti­tät geklaut und in ihrem Namen Online-Shops und der­glei­chen regis­triert wur­den. Die Betrü­ger nutz­ten die­se dann für klas­si­sche Maschen wie “anstel­le eines Pro­duk­tes ver­schi­cken wir ein lee­res Paket”. Die Opfer des Iden­ti­täts­dieb­stahls erfuh­ren von ihrem Schick­sal, als ihnen plötz­lich Straf­an­zei­gen geleim­ter Online-Kun­den aus ganz Deutsch­land in den Brief­kas­ten flat­ter­ten.

Anders­her­um geht es natür­lich auch: Betrü­ger bestel­len online Waren in Ihrem Namen und Sie blei­ben nach­her auf den Mah­nun­gen sit­zen. “So was pas­siert mir eh nicht” ist ein Trug­schluss – allein in Ber­lin gab es für der­ar­ti­ge Ver­ge­hen 2017 rund 16.000 Anzei­gen. Die ARD hat dazu ein inter­es­san­tes Radio-Fea­ture unter dem Titel “Betrug in mei­nem Namen” pro­du­ziert. Hier kön­nen Sie es sich anhö­ren.

Gene­rel­le Ver­hal­tens­tipps gegen Betrug im Inter­net

Prä­ven­ti­ve Maß­nah­men gegen Betrugs­ma­schen im Inter­net sind wie Hän­de­wa­schen: Gewöh­nen Sie sich ein­mal dar­an, ist es kein Hexen­werk und wirkt Wun­der.

  • Geben Sie kei­ne pri­va­ten Daten auf Web­sei­ten ein, die nicht per SSL ver­schlüs­selt sind.
  • Benut­zen Sie 2 Fac­tor Authen­ti­fi­ca­ti­on wo immer mög­lich. Dabei wird beim Log­in auf einer Web­sei­te ein Code an Ihr Smart­phone oder eine E‑Mail-Adres­se geschickt. Das wirkt auf den ers­ten Blick umständ­lich, ist aber eines der bes­ten Werk­zeu­ge im Kampf gegen Betrü­ger. Immer­hin müss­te ein Scam­mer jetzt nicht nur Ihr Pass­wort für Sei­te X ken­nen, son­dern auch noch das Ihrer E‑Mail, bzw. er müss­te sich phy­si­schen Zugang zu Ihrem Smart­phone ver­schaf­fen.
  • Ver­wen­den Sie das glei­che Pass­wort nicht auf meh­re­ren Web­sei­ten. Spei­chern Sie Ihre Pass­wör­ter statt­des­sen mit einem Pass­wort-Mana­ger wie Kee­pass.
  • Prü­fen Sie ein­ge­tipp­te URLs auf Tipp­feh­ler. Beach­ten Sie auch die Domain-Endung der jewei­li­gen URL. Man­che Betrü­ger regis­trie­ren bei­spiels­wei­se iden­ti­sche URLs mit einer ande­ren Endung wie .com, .info usw.
  • Wer­fen Sie bei Online-Shops immer auch einen Blick auf das Impres­sum.

Der Super-GAU – Ihre Web­sei­te wur­de kopiert

Die Web­sei­te der Coro­na-Sofort­hil­fe ist bei Wei­tem nicht das ein­zi­ge Ziel betrü­ge­ri­scher Kopien im Inter­net. Sol­che Kopien kön­nen viel wert sein. Online-Shops sind ein klas­si­sches Bei­spiel für sol­che Betrugs­ma­schen, aber auch Blogs sind häu­fig betrof­fen. Ein gut geführ­tes Blog ist bei­spiels­wei­se ein per­fek­tes Ziel für Affi­lia­te-Betrug. Die Betrü­ger kopie­ren also Ihre gesam­te Sei­te, ver­su­chen in den Goog­le-Ergeb­nis­sen mög­lichst weit zu kom­men und pro­fi­tie­ren dann von Ihrem geka­per­ten Traf­fic. Und es kommt noch schlim­mer: Goog­le könn­te die Exis­tenz der Kopie als ver­such­te Traf­fic-Mani­pu­la­ti­on Ihrer­seits wer­ten und Sie mit einem schlech­te­ren Ran­king abstra­fen.

Lei­der gibt es kein Patent­re­zept dafür, wie Sie eine Kopie Ihrer Web­sei­te vom Netz neh­men kön­nen. Die unter­schied­li­chen Hos­ting-Dienst­leis­ter schie­ben sich ger­ne gegen­sei­tig die Ver­ant­wor­tung zu, die Betrugs­ma­schen selbst wer­den häu­fig über inter­na­tio­na­le Ser­ver betrie­ben und Goog­le reagiert je nach Wochen­tag und Wind­rich­tung mal mehr, mal weni­ger schnell. Ganz taten­los müs­sen Sie so einem Trei­ben aber natür­lich nicht zuse­hen.

Das kön­nen Sie tun

Im ers­ten Schritt soll­ten Sie umfang­rei­che Screen­shots sowohl Ihrer Sei­te als auch der Betrugs­ma­schen-Sei­te sam­meln. Die­se könn­ten spä­ter ein wich­ti­ges Beweis­mit­tel sein.

Set­zen Sie anschlie­ßend einen gut erkenn­ba­ren Warn­hin­weis auf Ihre Web­sei­te. Je schnel­ler und umfas­sen­der Ihre Besu­cher infor­miert sind, des­to bes­ser.

Nun geht es ans Ein­ge­mach­te: Erstel­len Sie Straf­an­zei­ge gegen Unbe­kannt. Meist geht das auch online. Hier fin­den Sie die For­mu­la­re für eine Online-Anzei­ge der jewei­li­gen Bun­des­län­der, sofern ver­füg­bar:

Wen­den Sie sich anschlie­ßend an Goog­le. Der Such­ma­schi­nen­rie­se kann bei aller Lang­sam­keit eine DMCA-Beschwer­de nicht ein­fach igno­rie­ren und hat dafür ein eige­nes For­mu­lar ein­ge­rich­tet. Sie fin­den es hier.

Soll­te die kopier­te Web­sei­te zudem in Goog­le Ads auf­tau­chen, kön­nen Sie dage­gen sepa­rat auch noch hier Beschwer­de ein­le­gen.

Im letz­ten Schritt ist schlicht­weg etwas Glück gefragt. Schau­en Sie dafür zunächst über eine Whois-Abfra­ge nach, wel­cher Dienst­leis­ter die Sei­te auf sei­nen Ser­vern hos­ted. Gän­gi­ge Werk­zeu­ge dafür sind etwa:

Der jewei­li­ge Hos­ting-Dienst­leis­ter wird in der Regel ein For­mu­lar haben, mit dem Sie Miss­brauch und Betrug mel­den kön­nen. Andern­falls kön­nen Sie auch direkt eine E‑Mail an den Kun­den­sup­port des Betrei­bers schi­cken. Damit ist lei­der häu­fig auch ein War­te­spiel ver­bun­den, denn sol­che Dienst­leis­ter wei­sen ger­ne die Ver­ant­wor­tung von sich und reagie­ren erst nach hart­nä­cki­ger Kon­takt­auf­nah­me. Trotz­dem soll­ten Sie es nicht unver­sucht las­sen, denn der Host ist letzt­end­lich der schnells­te und effek­tivs­te Weg, die Betrü­ger­sei­te wirk­lich vom Netz zu neh­men.

Fazit

Die Betrü­ger­sai­son hat die­ses Jahr früh ange­fan­gen. Mit eini­gen Ver­hal­tens­tipps kön­nen Sie Ihr per­sön­li­ches Risi­ko aller­dings enorm sen­ken. Auch wenn Ihre Web­prä­senz kom­plett kopiert wur­de, sind Sie den Betrü­gern nicht kom­plett hilf­los aus­ge­lie­fert.

Möch­ten Sie eine siche­re Web­site für Ihr Unter­neh­men und wis­sen nicht wei­ter? Kon­tak­tie­ren Sie uns! Wir ste­hen Ihnen ger­ne bei allen Fra­gen rund um Web­de­sign, Hos­ting, Social Media und vie­lem mehr zur Sei­te.

Wur­den Sie schon ein­mal Opfer einer Betrugs­ma­sche? Tei­len Sie uns Ihre Erfah­run­gen in den Kom­men­ta­ren mit!

Tags: Betrug, Betrug im Internet, Betrugsmaschen, COVID-19, DMCA, Identitätsdiebstahl, NRW-Soforthilfe 2020, Online-Anzeige, Scam, Sicherheit, Soforthilfe, SPAM
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