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Unter­neh­mens­be­ra­ter: Brau­che ich einen?

Klar, wenn man über jah­re­lan­ge Erfah­rung als Unter­neh­mer ver­fügt und mit allen Was­sern gewa­schen ist oder wenn im Geschäft alles, aber wirk­lich alles rund läuft, kann man sich einen Unter­neh­mens­be­ra­ter spa­ren. Aber wer kann das schon von sich behaup­ten?
Gera­de Exis­tenz­grün­der und jun­ge Unter­neh­mer brin­gen in der Regel zwar umfang­rei­ches fach­li­ches bzw. Bran­chen­wis­sen mit, aber das unter­neh­me­ri­sche Know-how ist in vie­len Fäl­len noch mehr oder weni­ger aus­bau­fä­hig. Das bekommt man schließ­lich nir­gend­wo ver­mit­telt. Sicher, es gibt Semi­na­re, die man besu­chen kann. Aber das meis­tens recht all­ge­mein gehal­te­ne Wis­sen, das man dort ver­mit­telt bekommt, ist eben noch lan­ge nicht ange­wen­det. Im Ergeb­nis ist das in etwa so, als wür­de man Schach um Geld – viel Geld, ver­steht sich – spie­len, kennt aber nur die Hälf­te der Spiel­re­geln. Lesen Sie, war­um bzw. in wel­chen Fäl­len die Zusam­men­ar­beit mit einem Unter­neh­mens­be­ra­ter Sinn machen kann.

Auch mit Bran­chen­wis­sen: Eine Unter­neh­mens­grün­dung ist nicht ein­fach

Mit genü­gend Fach­wis­sen ist die Unter­neh­mens­grün­dung ein Selbst­läu­fer – oder nicht?
Tat­säch­lich ris­kie­ren vie­le Jung­un­ter­neh­mer, dass ihre frisch­ge­ba­cke­ne Fir­ma zum Lot­te­rie­spiel ver­kommt. Unser Exper­te Frank van Lies­haut ist Unter­neh­mens­be­ra­ter und kennt die Risi­ken, aber auch die Chan­cen einer Grün­dung nur zu gut. Er weiß aus eige­ner Erfah­rung, wie wert­voll gute Unter­neh­mens­be­ra­tung sein kann.

Herr van Lies­haut, Sie beglei­ten Unter­neh­mens­grün­der schon seit meh­re­ren Jah­ren. Kön­nen Sie uns erklä­ren, war­um Unter­neh­mens­be­ra­ter gera­de für Jung­un­ter­neh­mer wich­tig sind?

“Je län­ger ein Bera­ter am Markt ist, des­to grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass er in sei­ner Lauf­bahn bereits mit einer Viel­zahl von Fra­gen und Pro­ble­men kon­fron­tiert wur­de. Außer­dem hat der Bera­ter viel­leicht auch schon Fir­men aus ganz unter­schied­li­chen Bran­chen unter­stützt. Häu­fig waren sie selbst in der Ver­gan­gen­heit in Füh­rungs­po­si­tio­nen tätig. Mit die­sem Erfah­rungs­vor­sprung tra­gen sie dazu bei, evtl. auf­tau­chen­de Pro­ble­me recht­zei­tig zu erken­nen, Pro­blem­lö­sun­gen schnel­ler zu ent­wi­ckeln und bes­se­re Ent­schei­dun­gen zu tref­fen.”

Unter­neh­mens­be­ra­ter zei­gen Abkür­zun­gen auf dem Weg zum Ziel auf

Herr van Lies­haut, Sie spre­chen an, dass Unter­neh­mens­be­ra­ter viel­leicht in ver­schie­de­nen Bran­chen und Füh­rungs­po­si­tio­nen tätig waren. Wie­so sind die­se Erfah­run­gen so wich­tig für ein jun­ges Unter­neh­men?

“Viel­fach wird bei unter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen und Hand­lun­gen nach dem Prin­zip „Ver­such und Irr­tum“ ver­fah­ren. Auch dies ist nicht sel­ten auf man­geln­de Erfah­run­gen zurück­zu­füh­ren. Ein guter Bera­ter kann dabei hel­fen, die bes­ten Alter­na­ti­ven zu fin­den, zu bewer­ten und schließ­lich umzu­set­zen. Damit spart man sich zeit­rau­ben­de und damit häu­fig auch kost­spie­li­ge Umwe­ge auf dem Weg zum Ziel.”

Ein Unter­neh­mens­be­ra­ter nimmt Ihnen Arbeit ab und spart Ihnen kost­ba­re Zeit

Ver­such und Irr­tum führt häu­fig genug zu kei­nem guten Ergeb­nis. Schlägt ein sol­cher Ver­such fehl, kann er im schlimms­ten Fall nicht nur Geld kos­ten, son­dern auch viel Zeit. Gera­de die haben Jung­un­ter­neh­mer nie genug.

Herr van Lies­haut, Zeit ist für ein klei­nes oder mit­tel­stän­di­sches Unter­neh­men bares Geld. Kön­nen Sie uns sagen, wel­che zeit­auf­wen­di­gen Arbei­ten auf einen Jung­un­ter­neh­mer zukom­men?

“Gera­de in klei­nen oder jun­gen Unter­neh­men feh­len häu­fig die Zeit und/oder das Per­so­nal, um sich mit zen­tra­len Fra­gen der Unter­neh­mens­füh­rung wie z.B. dem Mar­ke­ting, Con­trol­ling oder der Betriebs­or­ga­ni­sa­ti­on zu befas­sen. Was auf der einen Sei­te ver­ständ­lich ist – schließ­lich muss das Tages­ge­schäft ja lau­fen – kann auf der ande­ren Sei­te schnell lebens­be­droh­lich wer­den. Ein guter Unter­neh­mens­be­ra­ter nimmt Ihnen die­se Auf­ga­ben ab und erle­digt sie meist auch noch deut­lich schnel­ler, so dass sich der Unter­neh­mer aufs Wesent­li­che kon­zen­trie­ren kann.”

Ein Unter­neh­mens­be­ra­ter weiß, wie die Ban­ken „ticken“

Bei so einer Fül­le von Auf­ga­ben fal­len auch die ein oder ande­ren Kos­ten an. Gera­de die schre­cken jun­ge Unter­neh­mer ab. Ein Markt­ri­si­ko über­neh­men, selbst­stän­dig sein – das ist für vie­le der gro­ße Traum. Doch wie sieht es mit der Finan­zie­rung aus?

Herr van Lies­haut, sind Finan­zie­rungs­fra­gen nach Ihrer Erfah­rung ein Grund zum auf­ge­ben? Was kön­nen Unter­neh­mens­be­ra­ter tun, damit einem nicht gleich das finan­zi­el­le Was­ser abge­gra­ben wird?

“ ‘Ich bekom­me sowie­so kein Dar­le­hen, weil ich arbeits­los bin, weil ich kei­ne Sicher­hei­ten oder Eigen­ka­pi­tal habe, weil mei­ne Bran­che grund­sätz­lich kei­ne Finan­zie­rung bekommt’, sind häu­fig zu hören­de Vor­ur­tei­le. Das ist so nicht rich­tig. Man muss nur wis­sen, wie Ban­ken „ticken“ und wor­auf zu ach­ten ist, wenn etwas finan­ziert wer­den muss. Hier­zu gehö­ren bei­spiels­wei­se ein pro­fes­sio­nel­les Geschäfts­kon­zept samt Plan­rech­nun­gen und eine über­zeu­gen­der Unter­neh­mer im Bank­ge­spräch. Der Bera­ter hilft dabei, die­se Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen, und stei­gert damit die Chan­cen, ein Dar­le­hen zu bekom­men, nicht sel­ten um ein Viel­fa­ches.”

Unter­neh­mens­be­ra­ter ken­nen die wich­tigs­ten För­der­pro­gram­me

Bank­dar­le­hen sind nicht die ein­zi­ge Finan­zie­rungs­mög­lich­keit für jun­ge Unter­neh­men. Tat­säch­lich wer­den Grün­der weit­rei­chend geför­dert – wenn man weiß, wo man suchen muss.

Herr van Lies­haut, nut­zen Unter­neh­mens­grün­der ihre För­der­mög­lich­kei­ten oder wis­sen vie­le gar nicht, was alles geför­dert wird? Wie vie­le För­der­pro­gram­me gibt es in Deutsch­land?

“In Deutsch­land exis­tie­ren ca. 3.000 ver­schie­de­ne För­der­pro­gram­me. Aktu­el­le Stu­di­en wie auch lang­jäh­ri­ge Erfah­rung zei­gen, dass vie­le Unter­neh­men die För­der­mög­lich­kei­ten nach wie vor gar nicht oder nur in gerin­gem Umfang aus­schöp­fen. Unter­neh­men haben kei­ne frei­en Res­sour­cen, um Mit­ar­bei­ter mit die­sen Auf­ga­ben zu betrau­en, oder es wird ein gro­ßer büro­kra­ti­scher Auf­wand erwar­tet. Auch hier kann ein Bera­tungs­un­ter­neh­men dem Unter­neh­men den größ­ten Auf­wand zur Bean­tra­gung und zur Beglei­tung eines För­der­mit­tel­pro­jek­tes abneh­men.”

Unter­neh­mens­be­ra­ter stel­len Ihnen ein Netz­werk zur Ver­fü­gung

Ist die Finan­zie­rung erst ein­mal gesi­chert und die För­der­mit­tel aus­ge­schöpft, geht es an den Auf­bau des Unter­neh­mens. Kos­ten kön­nen an allen mög­li­chen Ecken und Enden anfal­len – wer möch­te da schon ger­ne Lehr­geld für schlech­te Geschäfts­kon­tak­te bezah­len?

Herr van Lies­haut, wie kön­nen Unter­neh­mens­be­ra­ter hel­fen, die rich­ti­gen Kon­tak­te für den rich­ti­gen Job auf­zu­bau­en?

“ ‘Ken­nen Sie nicht einen guten Steu­er­be­ra­ter?’, ‘Wer könn­te denn mei­ne Home­page erstel­len?’, ‘Ich bräuch­te da mal jeman­den, der mei­ne Ver­trä­ge aus­ar­bei­tet, mei­ne betrieb­li­chen Ver­si­che­run­gen über­prüft etc.’ Wer sich bei der Aus­wahl eines Dienst­leis­ters oder Zulie­fe­rers schon mal „ver­grif­fen“ hat, weiß, dass dies nicht nur äußerst ärger­lich ist, son­dern mit­un­ter auch eine Men­ge Geld kos­ten kann. Unter­neh­mens­be­ra­ter ver­fü­gen in der Regel über ein gutes Kon­takt­netz­werk und stel­len Ihnen die­ses auch ger­ne zur Ver­fü­gung.”

Bera­ter ste­hen Ihnen als Spar­rings­part­ner zur Sei­te

Der Start in die Selbst­stän­dig­keit ist auf­re­gend, oft­mals aber auch ner­ven­auf­rei­bend. In schwie­ri­gen Zei­ten fehlt Unter­neh­mern häu­fig der rich­ti­ge Ansprech­part­ner für Kri­tik, Rück­mel­dun­gen und eine pro­fes­sio­nel­le Mei­nung.

Herr van Lies­haut, war­um ist der Umgang mit pro­fes­sio­nel­len Bera­tern für ein klei­nes oder mit­tel­stän­di­sches Unter­neh­men so wich­tig?

“Vie­le Unter­neh­mer bekla­gen, dass sie in ihrem pri­va­ten Umfeld nie­man­den haben, mit dem sie sich auf Augen­hö­he über ihre Selbst­stän­dig­keit aus­tau­schen kön­nen. Pro­fes­sio­nel­le Bera­ter ken­nen sich mit dem The­ma Selbst­stän­dig­keit und Unter­neh­mer­tum aus und kön­nen dadurch mit Ihnen auf Augen­hö­he dis­ku­tie­ren, sowohl im Hin­blick auf geschäft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen als auch bei­spiels­wei­se bezüg­lich der Aus­wir­kun­gen des Unter­neh­mens auf das Pri­vat­le­ben.”

Unter­neh­mens­be­ra­ter hel­fen bei Betriebs­blind­heit

Wenn das Unter­neh­men ein­mal läuft, stellt sich eine gewis­se Selbst­zu­frie­den­heit ein. Das ist nor­mal und eine ver­dien­te Beloh­nung der eige­nen Arbeit, kann aber auch schnell gefähr­lich wer­den – näm­lich dann, wenn Jung­un­ter­neh­mer im “All­tags­trott” hän­gen blei­ben. Unser Exper­te weiß nur zu gut, wie schnell Selbst­stän­di­ge in der Schlei­fe fest­ste­cken.

Herr van Lies­haut, wie­so sind Unter­neh­mens­be­ra­ter gera­de auch dann wich­tig, wenn das Unter­neh­men die schwie­ri­ge Anfangs­pha­se über­wun­den hat?

“Bereits nach weni­gen Mona­ten stellt sich bei vie­len Selbst­stän­di­gen eine gefähr­lich Rou­ti­ne ein, d.h. es wird kei­ne oder kaum noch Selbst­kri­tik geübt und Mög­lich­kei­ten zur Ver­än­de­rung wer­den nicht mehr gese­hen. Ein pro­fes­sio­nel­ler Bera­ter hilft dabei, die­se Denk­struk­tu­ren auf­zu­bre­chen und wie­der zu einer objek­ti­ve­ren Betrach­tungs­wei­se zu gelan­gen. Denn nur wer sich den per­ma­nen­ten Ver­än­de­run­gen in sei­nem geschäft­li­chen Umfeld stellt und die betrieb­li­che Zukunft aktiv gestal­tet, kann lang­fris­tig erfolg­reich sein.”

Bera­ter brin­gen Klar­heit

Von Anfang an sehen sich Jung­un­ter­neh­men einer Rei­he von Auf­ga­ben gegen­über, die im Lau­fe der Zeit nur noch kom­pli­zier­ter wer­den. Dabei, das weiß unser Exper­te, muss die Lösung nicht immer so kom­pli­ziert sein wie das Pro­blem. Häu­fig sind die Unter­neh­mens­grün­der ein­fach über­for­dert.

Herr van Lies­haut, wie kön­nen Unter­neh­mens­be­ra­ter hel­fen, wenn die Auf­ga­ben eines Unter­neh­mens immer kom­ple­xer wer­den?

“Manch­mal sieht man ein­fach mal den Wald vor lau­ter Bäu­men nicht. Auch das ist ange­sichts der Viel­falt von Aspek­ten, die der Unter­neh­mer bei sei­ner täg­li­chen Arbeit beden­ken muss, wenig ver­wun­der­lich. Bera­ter ver­fü­gen in der Regel über Sys­te­me und ent­spre­chen­de Metho­den, wie sie mit kom­ple­xen Situa­tio­nen umge­hen und somit für mehr Klar­heit sor­gen kön­nen. Gemein­sam arbei­tet man struk­tu­riert und effi­zi­ent dar­an, dass das Unter­neh­men in Zukunft bes­ser läuft oder bestimm­te Pro­ble­me aus der Welt geschafft wer­den, ohne die Din­ge unnö­tig zu ver­kom­pli­zie­ren.”

Guter Rat muss nicht immer teu­er sein

Bei allen guten Argu­men­ten sto­ßen vie­le Unter­neh­mens­grün­der spä­tes­tens bei den Kos­ten der Bera­tung an ihre Gren­zen. Gute Unter­neh­mens­be­ra­tung kos­tet gut Geld – oder nicht?

Herr van Lies­haut, gibt es gute Unter­neh­mens­be­ra­tung auch für ein begrenz­tes Bud­get? Wel­che Mög­lich­kei­ten haben Jung­un­ter­neh­mer, die sich bera­ten las­sen wol­len?

“Der über­wie­gen­de Teil der Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen wird durch ver­schie­de­ne För­der­pro­gram­me des Bun­des und der Län­der bezu­schusst. Je nach­dem, ob Sie beab­sich­ti­gen, ein Unter­neh­men zu grün­den, bereits gegrün­det haben oder schon meh­re­re Jah­re am Markt aktiv sind, ste­hen unter­schied­li­che Pro­gram­me zur Ver­fü­gung, die zwi­schen 50 und 90 Pro­zent des Bera­ter­ho­no­rars über­neh­men. Und außer­dem ist das Geld für einen Unter­neh­mens­be­ra­ter auch immer dann gut inves­tiert, wenn dadurch ver­hin­dert wird, dass an ande­rer Stel­le deut­lich mehr Geld aus dem Fens­ter gewor­fen wird.”

Vie­len Dank für das Inter­view, Herr van Lies­haut!

Die schnells­te Rück­mel­dung erfah­ren Sie, wenn Sie am Ende einen Kom­men­tar hin­ter­las­sen.

Tags: Betriebsblindheit, Coaching, Fördermittel, good advice, Ratschlag, Sparringspartner, Unternehmensberater
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